Arco (Ingo vom Ohe-Tal)


Rasse: Golden Retriever
Geschlecht: männlich
Kastriert: ja
Geboren am: 15.02.1999
Im Tierheim seit: 20.04.2005 (Rückgabe)
Schulterhöhe: 68 cm
Gechipt: ja
Besonderheiten: lebt in Dauerpflegestelle bei einem unserer Mitarbeiter, wird nicht mehr vermittelt, sucht weitere liebe Tierpaten



Arco war der beste Freund seines Herrchens, als der an Krebs erkrankte und nicht mehr mit ihm spazieren gehen konnte, übernahm dies ein Nachbar, der ihn nach dem Tod des geliebten Herrchens auch im Tierheim abgab. Denn Frauchen hatte Angst vor Arco, weil er sie biss...
Als Beschreibung wurde nur ein Wort mitgegeben: unberechen-bar!

Arco war völlig von der Rolle, als er zum ersten Mal am 20.12.2004 hier ankam, weil sein Herrchen weg war und er an so einen fremden Ort musste. Von seinem alten Grundstück ist er eher selten runtergekommen. Bei uns läuft er mit Hündin Aichie in einem großen Gehege, die beiden fressen sogar nebeneinander brav aus ihren Näpfen ohne Futterneid zu zeigen und gehen gemeinsam spazieren. Im Allgemeinen klappt es mit anderen Hunden gut, wenn ein Mensch dabei ist, knurrt er sie aber manchmal an, aus Eifersucht. Aber sonst ist es harmonisch.

Man kann sehr gut mit ihm spazieren gehen, wenn Arco die Leine sieht, ist er ganz aus dem Häuschen. Allerdings möchte er nicht unbedingt geknuddelt werden. Er zeigt von selbst an, wann er Berührungen möchte. Unsere Mitarbeiter mag er, da kommt er richtig schmusen. Überhaupt hat er bei uns bis jetzt nicht versucht zu beißen. Eigentlich werden wir alle von ihm akzeptiert.

Nachtrag Mai 2005:
Einmal war Arco bereits für drei Monate vermittelt, kam aber zurück, weil er wieder zugeschnappt hat.

Arco hat sich inzwischen wieder gut bei uns eingelebt, aber natürlich ist das Tierheim kein Ersatz für ein richtiges Zuhause. Wir haben Arco als einen Hund kennen gelernt, der großen Wert auf seine Individualdistanz legt. Die Ursachen liegen tief verborgen und wir werden sie auch nie erfahren, da sein ehemaliges Herrchen verstorben ist. Auf jeden Fall sollte der neue Besitzer auf ihn achten, denn er zeigt sehr deutlich, wann er in Ruhe gelassen werden will. Anfangs wird Arco neue Besitzer als Rudelmitglieder betrachten, die fürs Futter zuständig sind und sonst einfach nur da sind, aber wenn diese auf ein paar Sachen achten, kann man durchaus mit Arco zusammen leben.

Es ist zu empfehlen ihm einen bestimmten Platz im Haus zuzuweisen, den alle Personen als "Arcos Reich" akzeptieren. Sollte er dann mal irgendwo im Weg liegen, wird er mit ein paar Leckerlis auf seinen Platz gelockt. In diesen Fällen sollte niemand über Arco hinwegsteigen oder versuchen ihn zu verscheuchen. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass Arco freiwillig Platz macht.

Bei Arco hilft auch viel Liebe und Zuneigung wenig, im Gegenteil - es schadet sogar, wenn der Mensche ihm seine Zuneigung aufdrängen will. Besser ist es, wenn Arco weitestgehend ignoriert wird. Er soll auf Sie zukommen, nicht umgekehrt. Arco muss lernen, dass er nichts umsonst bekommt, weder Futter noch Aufmerksamkeit und schon gar nicht Streicheleinheiten. Arco muss das Gefühl gegeben werden, dass die Initiative vom Herrchen/Frauchen ausgegangen ist, wenn Sie z.B. das Gefühl haben, Arco will gestreichelt werden, drehen Sie sich einfach noch mal um, gehen in ein anderes Zimmer und rufen Arco zu sich. Erst jetzt wird gestreichelt. Genau so abrupt der Kontakt wieder beendet, noch bevor Arco von sich aus geht. Sie beginnen und beenden jede Aktion mit ihm. Auf diese Art zeigen Sie ihm, dass er für Sie da ist und nicht umgekehrt. Das gleiche gilt natürlich auch bei den täglichen Spaziergängen, der Mensch bestimmt den Weg, nicht der Hund.

Arco soll an hundeerfahrene Zweibeiner ohne Kinder vermittelt werden. Die Nachbarn der neuen Besitzer - besonders die Nachbarskinder - sollten informiert werden, dass Arco ein Hund ist, der seine Ruhe braucht und nicht angefasst werden möchte. Erklären Sie den Kindern, dass es besser ist in Arcos Nähe nicht zu rennen oder zu schreien, sondern einfach an ihm vorüber zu gehen, ohne ihm in die Augen zu schauen. Es ist sehr hilfreich, wenn alle wissen, dass Arco kein Kuschelhund ist und wahrscheinlich auch nicht mehr werden wird.
Arco im Februar 2007
So unberechenbar ist Arco eigentlich gar nicht, man muss nur lernen auf seine Signale zu achten und die sendet er relativ deutlich. Allerdings ist seine Hemmschwelle niedriger als die anderer Hunde. Oder anders ausgedrückt, Arco droht nur einmal und schnappt dann sofort zu, wenn man sein Drohen missachtet.

Arco spielt sehr gern, er bringt Bälle und andere Sachen und kann richtig ausgelassen toben. Wenn niemand mit ihm spielt, schmeißt er das Spielzeug auch allein in die Luft und fängt es wieder.

Es ist eben wie so oft: Man muss die Tiere in Ruhe lassen und ihnen nicht die Gesellschaft und Nähe des Menschen aufzwingen. Sie kommen schon von selbst und sind dann auch dankbar. Wir denken das Zeit, Platz und Hundeerfahrung die wichtigsten Dinge sind, die Arcos neue Familie mitbringen muss. Dem Hund darf einfach nichts aufgezwungen werden.

Nachtrag Februar 2007: Arco ist jetzt - nachdem Aichie im Besucherrudel laufen darf - im oberen Rudel bei den großen Hündinnen. Da kommt er bestens zurecht. Von seinem ursprünglichen Futterneid ist nichts mehr zu spüren. Die anwesenden Damen wissen sich zurück zu halten. Nach wie vor spielt er gern mit unserem Tierpfleger.



aus unserem Postfach:

...ich habe gerade die Beschreibung von Arco gelesen.... Und ich dachte, sie beschreiben unserer Hündin.... Richtig unheimlich! Cora (Schäfer-Mix) war aufgrund der exakt von Ihnen beschriebenen Eigenarten über 6 Jahre in einem Tierheim, bis ich sie zu uns holte.Die erste Zeit war nicht einfach, sie hat auch mehrere Male geschnappt weil wir Schlüsselreize ausgelöst hatten, die wir nicht kannten, z.B. Hand heben, ihr in die Augen sehen, sie überhaupt ansehen etc..) und einmal so kräftig gebissen, dass die Wunde genäht werden mußte (mein Mann wollte sich beim Anleinen über sie beugen). Trotzdem wollte ich berichten, dass wir es geschafft haben, dass Cora ein ganz toller Familienhund geworden ist. Immer zu einem Spiel bereit, leidenschaftlicher Spaziergänger und bei EIGENEM Bedarf ganz große Schmuser. Zwar alles mit eigenem Kopf (sofern ich ihr den erlaubt habe), aber vollkommen integriert. Ich (als ihr absoluter Rudelchef) konnte sogar mit ihr rumbalgen. Leider ist sie nach nur 1,5 Jahren bei uns mitten in der Nacht an einem Herzschlag gestorben, wir waren alle untröstlich. Auch wenn Arco ein schwieriger Fall ist - es ist möglich (!), auch in solchen Hunden erfüllende Partner zu haben...

Nachtrag 26.02.2008:
Seit nunmehr einem Monat lebt Arco in einer "Männer-WG", zusammen mit seinem Pflegeherrchen und einem anderen Rüden. Das Zusammenleben mit Arco gestaltet sich viel einfacher, als ich mir das je vorstellen konnte. Arco achtet sehr auf mich und orientiert sich oft an meinem anderen Hund. Er geniest die regelmäßigen Spaziergänge und Ausflüge in die Natur, hat Gefallen am Dummy-Training gefunden und würde für Leckerchen fast alles tun.

Nach wie vor ist es so, dass Arco von sich aus kommt, um gestreichelt zu werden. Aber auch hier hat sich die Gesamtsituation völlig entspannt und oft kann ich ihn regelrecht durchknuddeln. Jedoch lässt er sich ungern von fremden Menschen anfassen und schon gar nicht, wenn dies unvermittelt geschieht. Er braucht auf jeden Fall erst einmal das Vertrauen in den Menschen.

Im Alltag zeigt sich Arco recht ausgeglichen. Ihn interessieren keine Umweltgeräusche, er ignoriert entgegen kommende Menschen, fährt gern Auto und selbst andere Hunde lässt er links liegen, solange ein gewisser Abstand gewahrt bleibt. Lediglich bei Katzen und größeren Vögeln erwacht sein Jagdinstinkt.

Trotz seines Alters spielt Arco sehr gern und mitunter sogar recht ausgelassen. Er bevorzugt das Sozialspiel mit mir, geht aber auch immer mal wieder auf andere Hunde ein, wenn Sympathie auf beiden Seiten herrscht, dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Rüden oder eine Hündin handelt.

Arcos großes Problem ist die Körperpflege. Er lässt zwar das Abtrocknen über sich ergehen, aber bürsten geht zur Zeit noch gar nicht. Inzwischen habe ich ihn an einen Pflegehandschuh gewöhnt, aber an seiner Geduld hapert es noch ein wenig.

Arco ist auf dem besten Weg, sein Image vom bösen, unberechenbaren Hund zu ändern, wenn, ja wenn er nur genügend Zeit bekommt sich einzuleben und man seine "Macken" zu nehmen weis.


Nachtrag August 2009: Arco hat sich in der Zeit bei mir super entwickelt. Alle Berührungsängste sind verschwunden und das Zusammenleben mit ihm ist harmonisch. Ich kann Arco überall mit hinnehmen und meistens zeigt er sich von seiner besten Seite.
Selbst sein großer Schwachpunkt, die Körperpflege, ist seit geraumer Zeit kein Thema mehr. Er lässt sich problemlos Bürsten, Abtrocknen und selbst die sonst heikle Pfotenpflege akzeptiert er. Den Beißkorb, den er in solchen Situationen bisher zur Sicherheit noch tragen musste, kann ich inzwischen weglassen und nutze ihn nur, wenn ich mit Arco beim Tierarzt bin.
Einzig bei fremden Menschen, die ihn streicheln wollen, bleibt eine Ungewissheit bestehen, wie er reagiert. Aber Arco muss sich auch nicht von jedem streicheln lassen und die Menschen in unserem Umfeld respektieren dies auch. Arco bekommt bei mir die für ihn notwendige Stabilität und Sicherheit und er dankt es mit der sprichwörtlichen Treue und Anhänglichkeit.



Nachtrag Januar 2010: Seit geraumer Zeit leidet Arco am Cushing-Syndrom. Leiden darf man hier ruhig wörtlich nehmen, denn durch diese Krankheit verlieren Hunde den Großteil ihrer Lebensqualität. Beim Cushing handelt es sich um eine Funktionsstörung der Nebennierenrinde. Es findet eine Überproduktion des Stresshormons Cortisol statt und die daraus resultierenden Stoffwechselstörungen.

Bei Arco äußert sich das unter anderem darin, dass sein Wasserhaushalt komplett durcheinander geriet, er also ständig Durst hat und entsprechend viel Wasser zu sich nimmt und somit seine Nieren und die Blase stark belastet werden. Außerdem ermüdet Arco sehr schnell auf Grund eines extremen Muskelschwundes und die tägliche Bewegung an frischer Luft bereitet ihm kaum noch Freude. Er ist sehr wacklig auf den Beinen und die wenigen Stufen bis in die Wohnung bewältigt er nur noch mühsam.

Auch sein Immunsystem wurde in Mitleidenschaft gezogen, machen ihn anfällig für weitere Krankheiten. So hatte er z.B. bis vor kurzem eine Bindehautentzündung auf beiden Augen und eine leichte Erkältung.

Nach zahlreichen Untersuchungen, Tests und Blutabnahmen, die Arco über sich ergehen lassen musste, steht nun fest, dass ihm nur geholfen werden kann, wenn er regelmäßig sein Leben lang das Medikament Vetoryl einnimmt. Der Wirkstoff in diesem Medikament hemmt die Produktion von Cortisol und nur so kann sich sein Hormonhaushalt, sein Stoffwechsel und sein Immunsystem normalisieren und Arco bekommt die Lebensqualität zurück, die dazu beigetragen hat, dass sich Arco zu einem tollen und ausgeglichenen Begleithund entwickelt hat.