Peterles "Eingewöhnungstagebuch"


Peterles Geschichte der Eingewöhnung im neuen endgültigen Zuhause.
Ein Tierheimkater, der ursprünglich aus sehr schlechter Haltung stammt, hat großes Glück. Seine Geschichte soll Mut machen, auch Tieren mit Vergangenheit ein Zuhause zu geben. Sie alle haben es sich so sehr verdient, Menschen zu finden, die nicht bei der ersten kleinen Schwierigkeit aufgeben und sie dann wieder im Tierheim abliefern... Die Geschichte zeigt auch, dass wir recht haben mit unserer Skepsis, Katze oder Kater als Drittkatze zu vermitteln. Aber auch wir lassen uns manchmal eines besseren belehren und machen eine Ausnahme.



...Nachdem Sie gefahren sind, haben unsere beiden anderen vor dem Gäste-WC wieder Position bezogen und den Fremdling "bewacht". Peterle traute sich erstmal nicht aus dem Klo hervor, die anderen aber auch nicht richtig heran. Ich habe ihm dann Trockenfutter angeboten, das er hungrig gegessen hat. So kam er ein Stückchen aus dem Klo heraus.

Dann traute sich aber Kylie richtig rein ins Gäste-WC und machte erstmal klar, wer hier die Chefin ist: mit einem Schwanz wie eine Flaschenbürste zischte sie ihn an, dass er ihr ja nicht in die Quere kommen soll. Worauf hin er weise im Katzenklo verblieb. Da es nun aber im Wesen des Chefseins liegt, auch andere wichtige Dinge überwachen zu, konnte Peterle aus dem Klo entkommen und ein Stück von der Diele erkunden, bevor Kylie wieder auf ihn aufmerksam wurde und sich vor ihn setzte, um zu kontrollieren, dass er auch ja nichts tut, was nicht genehm ist. Peterle zog es vor, erst einmal unter dem Regal zu verschwinden.

Alfons pflegte derweil seine Schmusekontakte zu mir und tat ansonsten, was ein Kater so tut, ohne sich wer weiß wie um diesen fremden Kater zu kümmern. Meine Tochter pflegte zwangsweise ihr Französisch (Hausaufgaben); sie sollte Peterle erstmal nach Möglichkeit ignorieren, damit er sich in Ruhe umgucken konnte.
Nach dem Essen wurde eine der Hähnchenkeulen für die Damen und Herren Katzen vorbereitet: enthäutet, entbeint, klein geschnitten und auf Teller verteilt. Peterle bekam seinen unter das Regal, Alfons und Kylie den ihren an ihren gewohnten Platz. Derweil Kylie - damit ja der verfressene Kater nichts abbekommt - schleunigst in die Küche verschwand, vertilgte Peterle seinen Anteil am Hühnerschmaus und wagte, frisch gestärkt, einen weiteren kleinen Gang in die Diele. Sofort war Kylie wieder da und zischte ihn an. Worauf Peterle, sicher ist sicher, wieder den Rückzug ins Klo antrat. Dort hockte er eine Weile, dann zog er in das große Katzenklo um. Das wiederum gefiel mir nicht, weil es zuallererst Alfons' Klo ist und ich keine eventuellen Konflikte wollte. Also habe ich gemeinerweise das Dach von hinten, von der Peterle-Seite her, angehoben und ihn von dort gekrault. Ein Klo, das krault, war Peterle unheimlich, so dass er selbiges gern verließ und wieder in die Diele wanderte. Nachdem ich ihm die Höhle von dem dortigen Kratzbaum gezeigt hatte, schlüpfte er willig dort unter und beobachtete aus sicherer Warte, wie seine neuen Menschen mit vorhandenen Katzen spielen.

Heute Abend wagte er den ersten Gang ins Schlafzimmer und ließ sich mit Ermunterung auf dem Bett nieder, um dort ausgiebig zu schmusen. Alfons war etwas pikiert und besah sich die Bescherung mehr aus der Ferne. Als Peterle dann auch noch den Kratzbaum erkundete, war es zuviel, und er ging beleidigt seiner Wege. Kam dann aber wieder, um seinerseits zu überwachen, was der Katergenosse so treiben wird, und vorhin waren sie dabei, sich gegenseitig niederzustarren. Darauf habe ich mich an diese E-mail begeben in der Annahme, dass Kater und Kater sich voraussichtlich erstmal arrangieren werden, bevor in einigen Tagen die genauere Festlegung der Rangfolge losgehen wird. Im Augenblick finde ich folgendes Arrangement vor: Alfons liegt auf seinem gewohnten Platz vor dem Fenster, Peterle oben auf dem Kratzbaum auf Kylies Platz. Kylie ihrerseits liegt im Bett, wo sie meist mit Alfons kuschelt. Also erstmal Waffenstillstand.

Aber zwischen Kylie und Peterle wird es sicherlich noch etwas auszufechten geben, auch wenn Alfons offenbar kein Problem mit einem neuen Hausgenossen hat (er ist wirklich ein sehr gemütliches Katertier!).

Von Duckerei war nach der Schmuseorgie auf dem Bett bei Peterle wenig zu bemerken, er hat den Kratzbaum selbstbewusst und neugierig erobert und sich von Alfons dabei nicht sonderlich irritieren lassen. Ich bin mal gespannt, wann Peterle sich die ersten Katerallüren zulegt und anfängt, am Essen rumzumäkeln...

Peterle niest sehr viel und feucht, er hat sich offenbar etwas erkältet. Ich werde daher vorsorglich alle drei zum Tierarzt bringen, statt Peterle allein vorzustellen, damit möglichst eine Ansteckung vermieden werden kann. Sein Fell ist auch noch etwas trocken und struppig (die Fahrt war wahrscheinlich für ihn zu aufregend, um sich richtig zu putzen und abzuschlecken), aber er hat nur ganz sachte mit den Hinterpfoten abgewehrt, als ich ihn am Bauch gekrault habe. Also: ein enorm zutraulicher und verschmuster Kater, der schon die ersten Schritte macht, um sich richtig bei uns wohlzufühlen.

Ich freue mich sehr, dass die erste Begegnung so gut verlaufen ist, und hoffe natürlich, dass das richtige Revierausfechten dann auch einigermaßen gesittet abläuft. Alfons und Kylie haben sich ja nur selten in den Flicken, aber wo Alfons insgesamt sehr zurückhaltend mit seinen Krallen umgeht, kann das bei Peterle und Kylie schon etwas temperamentvoller zugehen. Kylie wird sicherlich noch einige Hühnchen mit Peterle zu rupfen haben...

Für heute kann ich jedenfalls durchweg Positives berichten und werde Ihnen in einiger Zeit, also wenn sie die Rangfolge unter sich ausmachen, oder wenn sonst etwas anliegt, eine weitere Reportage von "Katze bei Krause" schicken.



Bei Peterle kommt der Schnupfen nun richtig raus. Ich bin ja froh, dass der Schnupfen klar ist, denn grün und eiterig hätte ich noch mehr Sorgen um unseren Jungen. Er niest nun nicht mehr so viel, leidet aber sichtlich unter den blöden Fäden und schüttelt immer wieder den Kopf, um die Belästigung loszuwerden. Laut tierärztlicher Anweisung musste er leider in Quarantäne. Vorhin hat er sehr geweint und war kreuzunglücklich. Ich auch.

Wenigstens hat er etwas gegessen und er hatte auch deutlich Appetit. Anfangs nicht so, aber nachdem er die ersten Häppchen vorsichtig gekaut hatte, ging es stetig und mit zunehmendem Interesse fort. Getrunken hat er auch recht gut, und ich hoffe, dass Peterle nun auch bald wieder anfängt, sich zu waschen. Das wäre ein richtig gutes Zeichen, der Schnupfen hat ihn wirklich ganz schön übel erwischt. Frisches Trockenfutter hat er reichlich da, falls er in der Nacht doch noch Appetit bekommt, und morgen hole ich Belladonna aus der Apotheke für seinen Schnupfen; mit diesem homöopathischen Mittel sollte es ihm hoffentlich etwas leichter werden.

Alfons und Kylie waren natürlich ziemlich verunsichert über den Wechsel ihres Katzenklos ins Badezimmer, haben sich aber bereits arrangiert und sind weitgehend wieder zum normalen Tagesablauf übergegangen. Kylie geht immer wieder mal wittern und kucken mit der neuen Katze, aber Alfons ist da überhaupt nicht oder nicht mehr unsicher und macht sein normales Katerding. Leckerli und Hähnchen sind wichtiger. Peterle soll natürlich so schnell wie möglich in die Familie und die Katzenbande integriert werden, aber mit diesem Maß an Schnupfen macht mir die Isolierung Sinn, auch wenn weder Peterle noch ich darüber glücklich sind. Ich hoffe sehr, dass Peterle am Wochenende wieder raus kann und dass wir das große Katzenklo dann auch wieder umsetzen können.

Was für ein sorgenvoller Anfang! Meine ursprünglichen Sorgen, ob die drei sich gut verstehen werden, sind damit erstmal total in den Hintergrund gerückt, erst müssen wir Peterle gesund kriegen. Nun wird es also auf die klassische Methode hinauslaufen, über die ich bisher nur gelesen hatte: die alte Katze hüben, die neue drüben, Sicht- und Schnupperkontakt und dann weiter sehen...Wäre insofern ja nicht notwendig gewesen, so wie sie sich bei der ersten Begegnung verhalten hatten, wäre da nicht der blöde Schnupfen.



Nach einer ruhigen Nacht fing der Tag gut an: Peterle hat gut gefressen, auch nicht mehr gar so arg geschnieft und Fäden verteilt. In der Nacht hatte ich sie an den Katzenklos scharren gehört, und beide Klos waren benutzt. Nachdem ich das Belladonna aus der Apotheke geholt hatte, hatte ich nun wieder das Problem: wie kriegt man Medizin in die Katze? Die Alfons-Methode klappte bei Peterle nicht, was Wunder mit einer Katze, die im Gehäuse sitzt und den Kopf wegdreht. Also die Kylie-Methode. Weise vorausschauend, hatte ich auch Leberwurst mitgebracht, von der bekannt ist, dass die meisten Katzen sie lieben. Außer Kylie. Dachte ich. Ich drehte also eine feine Pille von Leberwurst mit leckeren Belladonna-Globuli innen drin. Peterle mochte keine Leberwurstpille und drehte nur desinteressiert den Kopf weg, von wegen blöder Mensch. Dann fiel mir das Hähnchen von gestern ein. Gewissenhaft wartete ich mit der neuen Tücke ab, bis das Hähnchen temperiert war und drehte neue Pillen, die ich gemeinerweise zwischen einigen naturbelassenen Häppchen verbarg. Peterle mochte auch kein Hähnchen von gestern. Da fiel mein blickloses Auge auf den Verpackungsmüll: Heute morgen hatte Peterle Sheba mit dicker, heller Sauce gespeist, und die leere Schale lag in der Mülltüte. Ich wühlte im Schrank nach einer weiteren Schale des trügerischen Schmauses, kippte eine neue Ladung Globuli auf einen Teller und verbarg sie unter dicker, heller Sauce, gekrönt von leckeren Fleischhäppchen. Peterle nun wieder ist ein schlauer Kater und ahnte, dass sich auch hier Trug verberge. Er angelte sich vorsichtig mit der Vorderpfote einen Happen von dem verlockenden Fleisch und kostete. Dann pfotelte er sich weitere Happen heraus - und erlag den Versuchungen seiner Art, feine Sauce mit der Zunge aufzuschlecken. Spiel, Satz und Sieg für Krause! Die Globuli waren im Kater, und das Belladonna hat bisher gut angeschlagen: Peterle schniefte und nieste wie blöd und zog Fäden wie eine Spinne. Ich habe den erfolgreichen Betrug im Laufe des Tages fortgesetzt, und nun lässt der Schnupfen nach, Peterle atmet auch leichter als bisher. Natürlich wirken auch die Antibiotika, aber ich denke, das Belladonna erleichtert die Sache für ihn zusätzlich.

Peterle schläft jetzt tief und fest, er ist hundemüde gewesen nach der ganzen Aufregung über die neue Umgebung und hatte eher Nickerchen gemacht als richtig geschlafen. Heute Nachmittag habe ich ihm den einen kleinen Kratzbaum ins WC gestellt, er hat erfreut seine Krallen gewetzt und probegesessen. Danach ist er aber wieder in sein Gehäuse geschlichen, dort fühlt er sich derzeit sicherer als auf einem Minikratzbaum. Morgen muss ich ihn wieder plagen wegen der Antibiotika und zum Tierarzt schaffen, und ich muss mir auch sicherlich eine neue Tücke ausdenken, damit er die Globuli nimmt, und morgen wird er die Katzenangel ausgiebig beschnuppert haben, mit der ich ihn schon etwas locken konnte zu beobachten, wie der "Vogel" fliegt und die "Maus" über den Boden huscht. Der arme Junge kennt das offenbar kaum, aber der Jagdinstinkt wird schon werden, wenn er sich wieder besser fühlt.

Peterle ist ein so lieber Kater, dass es kaum vorstellbar ist, dass er nicht "von der Bank weg" neue Menschen gefunden hat!!! Natürlich spielen Ihre Erwägungen, welche Menschen am besten geeignet sind, eine Rolle, aber eigentlich hätten die Leute Ihnen die Bude einrennen müssen. Im Vergleich zu Alfons ist Peterle ein doch recht selbstbewusster Kater, wenn ich die Anfänge der beiden betrachte. Alfons war ein buchstäblich willenloses Tier, Peterle weiß schon recht gut, was ihm passt und was nicht. Obwohl er durch die neue Umgebung sehr verschüchtert ist und sich entsprechend zurück hält, kann er seine Grenzen aber gut deutlich machen (krallenstark z. B. beim Tierarzt), und ich denke, dass wir noch einige lebhafte Gefechte vor allem mit Kylie haben werden, bis die Rangordnung dauerhaft festgelegt ist. Peterle hatte sich Alfons' Transportkorb für seine Heimstatt ausgesucht, statt in Kylies zu kriechen, und insofern muss Alfons ihm weniger "Bedrohung" erscheinen als Kylie. Aber generell tun sich (kastrierte) Kater ja leichter, wenn eine neue Katze dazu kommt, als Kätzinnen. Ich richte mich insofern doch auf einige lebhafte Kämpfe ein, bis zwischen Peterle und Kylie alle Fragen geklärt sind.



Gerade komme ich von einer ausgiebigen Schmusestunde mit Peterle; er will natürlich raus aus dem WC. Ich hab ihm jetzt einen alten Socken von mir auf den Sitz vom Kratzbaum gelegt, damit er was von mir hat und nicht denkt, dass ich ihn verlasse. Kylie liegt mit Alfons auf dem Bett im Schlafzimmer, und die Hexe kriegt alles ganz genau mit. Sie hatte eben schon wieder ihren richtigen Siamesenblick: so an der gerümpften Nase lang von wegen "ich weiß ganz genau, was du gemacht hast, du Verräter". Und hat sich demonstrativ an Alfons gekuschelt, von wegen "der versteht mich besser als du, und den mag ich eh lieber". Alfons schnarcht derweil gemütlich vor sich hin: er hat gut gegessen, gut getrunken, seinen Rundgang im Revier und auf dem Balkon gemacht, und nun hat er sich sein Nickerchen redlich verdient, findet er. Peterle ist ihm im Moment ziemlich egal. Kylie ist er im WC erstmal recht, ganz weg wäre er ihr wahrscheinlich noch lieber, aber solange sie die Bewegungsfreiheit im ganzen Revier hat und Peterle nicht, ist es für sie wohl akzeptabel. So klein sie ist, kann sie aber eine richtige Giftnatter sein, wenn ihr was nicht passt. Was muss sie sich dann immer beschweren und maulen! Heute war es wieder das Futter. Fisch von Felix für Alfons. Peterle mochte ihn auch. Für Kylie müsste es, wenn es rein nach ihrer Nase ginge, immer Katzenmilch und Quark im Wechsel sein! Außerdem ist sie beleidigt, weil heute den ganzen Nachmittag Waschmaschine und Trockner liefen. Diese unheimlichen Gesellen kann sie gar nicht leiden, und da die Tür zum Bad ja nun auf bleibt, läuft sie immer ganz "lang" durch den Flur. Ich werde sie nachher noch tüchtig bestechen müssen mit Leckerli.

Peterle hatte die Nacht gut überstanden, war aber im Gehäuse geblieben. Er ist schon ein komischer kleiner Kerl, aber wenn er richtig Fuß gefasst hat, wird er, glaube ich, ein richtig eigenwilliger und lebhafter Bengel werden. Vorhin, als ich im WC saß und mit ihm spielte, rannte er über die waschbeckenhohen Regale und den Kratzbaumsitz hin und her und konnte sich nicht genug tun, überall seine Backen zu reiben und seinen Geruch zu verteilen. Er will raus aus dem WC und den Rest der Wohnung erkunden, aber er muss noch in Quarantäne bleiben, meint der Tierarzt, denn er hat eine üble Bronchitis. Die Lungengeräusche machen dem Tierarzt Sorgen, er hofft, dass es nicht eine Lungenentzündung wird. Peterle atmet ziemlich verschleimt, auch wenn die Nase nun nicht mehr so läuft. Fieber hat er, gottseidank, auch nicht mehr. Und er hatte heute Abend richtig gut Hunger. Ein gutes Zeichen, genauso wie seine Ungeduld. Wir waren ja heute morgen wieder beim Tierarzt, und da war er im Gehäuse sehr ängstlich, hat eingepinkelt und gekotet und sehr geweint, aber im Gegensatz zu Donnerstag (also dem ersten Arztbesuch) ist er sehr schnell wieder aus der Transportbox rausgekommen und hat sich auch gut bewegt heute Abend. Vorher hatte er den ganzen Nachmittag verschlafen und sich nicht mal darum geschert, wenn die Waschmaschine nebenan geschleudert hat. Nun liegt er auf dem kleinen Kratzbaum eingerollt und döst vor sich hin.

Das Kamilledampfbad nach dem Arztbesuch mochte er gar nicht und hat solange an dem Handtuch gezogen und gezerrt, bis das im Topf lag und das Bad buchstäblich ertränkt war. Katzen!

Bei der Spielstunde hat er auch erstmals mit der Angel etwas gespielt und an den Federn gehakelt. Zuerst ganz vorsichtig, könnte ja beißen, das Teil, dann mutiger. Einmal ist er auch auf die Hinterpfoten gestiegen, um es zu tatzeln. Er hat ganz viel Köpfchen gegeben und sich an meinen Beinen und Händen gerieben, um sich beliebt zu machen und seinen Menschen zu markieren - und er tretelt auch, genau wie Alfons. Er ist aber noch recht unsicher mit den Händen, weicht immer wieder auch etwas aus und weiß nicht so recht, wie er sich nun drehen und wenden soll, wo sich reiben und beschmusen lassen und wo gegenhalten und abwehren. Zuerst befand er auch meine Jeans einen guten Kratzbaum, aber er hat brav auf den echten zugegriffen, als ich daran gekratzt habe, damit er die Jeans bleiben lässt. Das wird sich aber alles regeln, wenn er sich besser hier eingelebt hat; es ist ja auch ziemlich widersprüchlich: auf der einen Seite wird er beschmust und hat lecker Essen sowie ein sauberes Katzenklo für sich allein, auf der anderen Seite schleift man ihn zu diesem Bösewicht, der Katzen piekt und ihnen in den Ohren rumstochert, und muss er im Kabüffchen wohnen, wo die anderen Katzen, die er sieht und hört, sich frei bewegen dürfen. Wie soll er da nach drei Tagen wissen, dass er in hoffentlich sehr kurzer Zeit auch überall hin darf und dass es mit Essen und Klo prima bleiben wird! So betrachtet, zeigt Peterle schon sehr viel Zutrauen und Vertrauensvorschuss. Ich schätze ihn aber so ein, dass er sich nicht auf Dauer mit dem WC zufrieden geben würde, dazu ist er jetzt schon zu lebhaft, und er wird sich seinen Platz bei Alfons und Kylie erobern.

Ich merke gerade, dass Alfons auf seine Art auch nicht recht mit Peterle glücklich ist: er weicht dem Schmusen etwas aus und geht demonstrativ auf den Balkon, gucken. Es ist ja nicht bekannt, ob er früher Freigänger war, und sein Verhalten geht etwas in die Richtung wie bei Freigängern, wenn eine neue Katze ins Haus kommt und die alten dann aus Protest erstmal wegbleiben und streunen. Alfons kann ja nur im "Katzenknast" streuen, aber er treibt meine Heizkostenrechnung im Augenblick schon ganz schön in die Höhe. Er hat auch eine Ecke im Flur entdeckt, die ich bisher übersehen und noch nicht mit Kratzbrettern zugenagelt hatte, naja, der Flur muss ja eh renoviert werden....



Montag waren wir nochmal beim Tierarzt, Peterle ging es besser, und inzwischen ist er schon wieder richtig munter und hat heute seine letzte Antibiotikatablette bekommen. War ein Kraftakt, denn er roch den Braten und wollte das Teil nicht schlucken. Aber 1/4 Stunde nach der Tablette ließ er sich schon wieder etwas beschmusen und bedauern ob der Widerlichkeit, die er da erdulden musste.

Mit Kylie und Alfons kommt er inzwischen auch schon recht gut klar; Kylie geht nun an ihn ran ohne Zischen und beschnuppert ihn, umgekehrt darf er aber (noch) nicht, da wird sie böse und haut zu. Die meiste Zeit kommen sie aber friedlich miteinander aus. Peterle hat Alfons vorgestern eine übergebraten, dass der gar nicht so schnell gucken konnte, und seitdem hängt zwischen den beiden der Haussegen etwas schief. Zuerst gab es wilde Jagden, dann ein oder zwei kurze Raufereien, einmal erhaschte ich einen Blick auf rotes Fell oben und schwarzes unten. Alfons wird nicht schlecht gestaunt haben über den Kampfkater, da ist nichts mit Plattliegen wie bei Kylie!

Wir haben auch gestaunt, was für ein Kraftpaket Peterle ist. Er kämpft ausgiebig und mit enormer Ausdauer gegen jedes Katzenspielzeug und macht gute Beute! Inzwischen habe ich Kenntnis von drei Fellmäusen, die er schon erlegt hat: bei zweien hat er das Gummi durchgebissen, an dem sie hingen, und eine hat er aus dem Gehäuse rausgezerrt und kunstgerecht zerlegt. Die Überreste hatte er unter dem Teppich vergraben, wo ich sie heute fand.

Im Augenblick hocken unsere beiden auf dem Tisch, eine vor dem Computer, der andere in der Mitte, und beäugen den frechen roten Eindringling. Kylie blockiert wie üblich die Tastatur, so gut es irgend geht. Alfons stellt gerade die Ohren wieder auf und entspannt sich, Peterle versucht, vom Fußboden aus gut Wetter zu machen und zeigt ein freundliches Gesicht. Es scheint ihm wohl angebracht, den Kampfkater erstmal wieder etwas zu verstecken.

Nach einer Woche eine Zwischenbilanz: Peterle ist ein sehr aufgeschlossener (und wunderbar gesprächiger Kater, der sich bisher gut eingelebt hat und allmählich und mit zunehmendem Selbstbewusstsein seinen Platz erobert. Ohne die Malessen mit der Bronchitis hätten wir sicherlich schon mehr Draufgängertum erlebt.... Unsere beiden arrangieren sich zunehmend mit Peterle, obwohl ich mich schon noch auf einige Raufereien einrichte und Alfons sicherlich noch öfter tüchtig trösten muss. Die Bronchitis ist schon viel besser geworden, und weder Alfons noch Kylie haben sich ernsthaft angesteckt.



Peterle und Alfons haben sich am Wochenende geprügelt wie die Kesselflicker, nun sind sie wieder friedlich. Das ging von Freitag Abend bis etwa heute Mittag in einer Tour durch. Verletzt haben sie sich aber glücklicherweise nicht. Kylie ist auch friedlicher bzw. hält sich aus den Prügeleien raus, aber sie verpasst Peterle jedesmal was, wenn er ihr quer kommt. Seit er beim gemeinsamen Angeln am Samstag zurück gedroht hat, macht sie es aber verdeckter, so dass er es nicht richtig kommen sieht, die alte Hexe. Sie angelt in seine Richtung, wupp hat er eine hängen. Aber da müssen sie selber durch.

Heute liegt sie aber den ganzen Tag auf der Heizung und erhebt sich in erster Linie zum Essen, irgendwas ist da nicht in Ordnung. Gestern Abend hat sie wieder fies brechen müssen, und das hängt wohl noch nach. Dafür bekam sie heute als erste was vom Hähnchen, das verträgt sie immer gut, und ich habe die Kater fern gehalten, bis sie fertig war. Die waren natürlich gar nicht erbaut davon, aber da muss Kylie auch mal Vorrang haben.

Peterle ist irre neugierig und lässt sich von der Regel, dass Katzen auf den Küchenschränken nichts zu suchen haben, noch in keiner Weise beeindrucken. Ich muss die Tage lauern und die Blumenspritze aktivieren. Nun ist erstmal alles mit Alufolie abgedeckt.

Peterle hat auch inzwischen gelernt, dass Hände keine gute Beute sind, er tatzt nur noch ganz vorsichtig, wenn er gekrault wird, und hat die Krallen fast ganz eingezogen. Ansonsten ist die Schmuserunde sofort mit einem beleidigten "Aua" von meiner Tochter oder mir zuende, das hat ihn anscheinend beeindruckt. Nur dass die Füße unter der Bettdecke keine verborgene Maus sind, leuchtet ihm noch nicht recht ein. Also muss sich jeden Abend das Bettdeckenmonster erheben, damit er mir nicht mit allen Vieren und ausgefahrenen Krallen auf den Füßen landet, um dem großen Zeh den Todesbiss zu versetzen.
Peterle muss ja ca. 1,5 Jahre alt sein (Maikätzchen? 2002), und dafür ist er, glaube ich, wirklich noch unheimlich verspielt und "kindlich". Für meine Tochter ist das natürlich ein großes Vergnügen, das sie bei unseren beiden älteren Katzen nicht hatte und mich bringt es auch immer wieder zum Schmunzeln. Es ist erstaunlich, wie gut Peterle seine schlechte Haltung überstanden bzw. weggesteckt hat! Seine Zutraulichkeit und Liebe zu seinen Menschen hat ja nicht mal die blöde Bronchitis samt Spitzen, Tabletten usw. mindern können, und seit es kein weiteres Tabletten- oder Tierarztübel mehr gab, ist er wieder oben auf und macht vor nichts und niemand halt. Ich denke, er muss auch Freigang gehabt haben oder eine Bauernkatze gewesen sein als Baby, denn er war total unbefangen gegenüber dem Balkon und der Kälte bzw. Nässe und geht gern raus; er hat schnell gemerkt, was und wo der Balkon ist, und wartet morgens gemeinsam mit Alfons, dass sich die "faule Alte" endlich erheben und den Balkon für die Morgenschnupperrunde öffnen möge. Kylie geht in dieser Jahreszeit nur mal kurz raus, und schon gar nicht, wenn es nass ist.

Heute abend ist es Peterle, der nach Kräften versucht, auf der Tastatur zu sitzen und mich von dem doofen Computer wegzulocken und deswegen muss ich Schluss machen und zusehen, dass ich die Angel hervor krame.



Die Machtverhältnisse verschieben sich augenblicklich immer mehr in Peterles Richtung. Meine beiden suchen sehr oft Trost bei mir bzw. beieinander.
In erster Linie geht es um das Nassfutter, das unsere beiden sehr lieben, auch wenn sie häufig eher Trockenfutter essen. Peterle isst kein Trockenfutter, wenn er es vermeiden kann. Er stürzt sich auf jede NF-Mahlzeit, die da des Weges kommt, und gerade unsere siamesische Prinzessin mit ihrem NF-Ritual klagt unentwegt, dass sie verhungern muss, wenn der Räuber weiterhin freien Zugang zum Futter bekommt... nicht dass sie ihr Futter mit Zähnen und Klauen verteidigen würde, man ist ja sozial und edel und zankt nicht um so niedere Dinge... ich denke eher, dass Kylie von Peterle eins übergebraten gekriegt hat, als ich nicht da war, und sich im Augenblick schlicht nicht traut.

Peterle futtert aber wirklich auch alles, was er kriegen kann, es wird noch eine ganze Weile brauchen, bis er teilen kann und gelernt hat, dass es später und morgen und alle Tage weitere Köstlichkeiten von der Art geben wird. In der Zwischenzeit versucht er auch weiter, gut Wetter zu machen, er leckt Alfons' Fell immer wieder mal und macht Freundschaftsangebote, aber unsere beiden sind beleidigt ob dieses roten Diebes, den ihre Menschen da eingelassen haben, und wollen bisher noch nicht.

Mein schwarzer Dicker zeigt immer wieder auch seine Kampfkaterqualitäten und prügelt sich wacker mit Peterle, die graue Principessa klettert dann auf meinen Schoß und weint sich aus. Und Peterle breitet sich ungetrübten Sinnes aus... ich beobachte das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es freut mich sehr, dass Peterle sich so seinen Platz erkämpft und ein selbstbewusster Kater mit Chuzpe ist/wird; es betrübt mich, dass Alfons und Kylie zurück stecken müssen, ich tröste sie auch oft und muss dann ein Stückchen ungerecht wiederum gegen Peterle sein, damit der Haussegen nicht zu schief hängt, aber richtig Sorgen macht mir, dass Peterle sich so auf alles Futter stürzt, dessen er habhaft werden kann. Auf diese Weise würde er, der soweit rank und schlank ist mit einem guten Idealgewicht, soweit ich sehen kann, schnell ein fetter Kater werden.

Was aber sehr gut ist: die Bande ist seit Peterles Einzug eine ganze Ecke sportlicher geworden. Die Katzenjagd geht die ganze Rennstrecke rauf und wieder runter am Abend und ich pflege wieder meine Fiesitäten, dass der Tisch immer wieder woanders gedeckt wird und auch die Leckerlizeit verstärkt Futtersuchen beinhaltet. Peterle beteiligt sich inzwischen an der Leckerlizeit, aber das Trockenfutter sagt ihm irgendwie noch nicht so richtig was.

Niesen und Schnauben oder Husten höre ich kaum noch, von Peterle öfter als von den beiden anderen, aber es bessert sich immer mehr. Ehrlich gesagt, bin ich auch nicht böse drum, denn der Tierarzt ist nicht so ganz billig bei uns, es waren knapp unter 100 Euro für Peterle bisher. Natürlich wird Peterle trotzdem im Januar zur Kontrolle beim Tierarzt vorgestellt, das ist keine Frage, aber für den Winter wünsche ich mir keine kranken Katzen.
Für die drei habe ich nun aber eine homöopathische Taschenapotheke angeschafft. Die kostet ca. 75 Euro und beinhaltet die am ehesten gebrauchten Globuli als kleinere Mengen gegenüber den x Gramm, die man sonst einzeln kauft. In Bezug auf unseren homöopathisch gewandeten Tierarzt und meine eigene Überzeugung wird sich das lohnen.

Eigentlich ist es inzwischen recht langweilig, was ich hier berichten kann: Peterle lebt sich gut ein, die Katzen prügeln sich gelegentlich, er wird zunehmend wieder bronchitisfrei, ich mache mir Gedanken um Pragmatisches wie das Gewicht der Katzen; es ist fast so unspektakulär wie zu der Zeit, als Kylie zu uns kam. Die Beobachtungen zu Peterle, die ich machen kann, sind auch entsprechend alltäglich, eben, was man an einer neuen Katze so entdeckt und worüber man entzückt oder ggf. besorgt ist, wo man nachdenkt, was die Ursache sein könnte, wo man Charakterisierungsversuche startet. Nicht anders als bei Ihnen im Tierheim, wenn Sie versuchen, ein Tier einzuschätzen, also ob der Hund mit anderen Hunden bzw. mit Katzen verträglich ist, ob er einen ausgeprägten Schutzinstinkt hat, ob er mit Kindern kann. Wir haben mit Peterle Vorteile, weil wir nicht Druck haben, dass er vermittelt werden muss, Nachteile, weil wir nicht den ganzen Tag dabei sind. Nachteile auch in gewissem Sinne, weil auch ein Stück Schutzinstinkt da ist in Bezug auf die alteingesessenen Katzen, dass man automatisch ein Stückchen Abwehrhaltung einnimmt, wenn die Prügelei losgeht und z. B. Alfons den kürzeren zieht oder Kylie sich bitterlich beklagt, dass sie sich wieder nicht ans Nassfutter rangetraut hat und hungrig ist. Dann wieder kommt der kleine Räuber an und schmust sich so herzergreifend an, dass man die gesamte eingesessene Katzenbande an die Wand nageln möchte, weil sie sich aneinander kuscheln und ihn demonstrativ ignorieren, obwohl er Alfons freundlich den Nacken abgeschleckt hat --- ach doch, eigentlich werden wir noch allerlei Abenteuer erleben, auch wenn es alltägliche Abenteuer sind.

Eins wird für Leser auf jeden Fall interessant sein, nehme ich an, obwohl ich mich auch täuschen kann und vielleicht allein darüber staune: was drei Katzen im Vergleich zu zweien für Mist machen. Das alte, undichte, Dachklo habe ich ja nun gegen ein offenes Eckklo ausgetauscht.
Unsauber war keine Katze, aber die Klos waren voller denn je, beide! Aber sie pinkeln und schietern offenbar um die Wette, so kommt es mir vor. Beruhigend ist auf jeden Fall, dass sie sich die Klos friedlich teilen und einfach dahin gehen, wo Platz ist und es ihnen gefällt. Also werden sie sich auch auf Dauer vertragen, da bin ich eigentlich ziemlich sicher.

Unser Kampfkater hat noch eine Spielmaus erlegt und die Überreste sorgfältig vergraben; im Augenblick hat er die Maus, die im Wohnzimmer von der Decke hängt, im Visier und wird sie zweifelsohne auch bald zur Strecke bringen. Soweit die anderen beiden ihn lassen, denn dieser Platz im WZ ist allgemeine Spielwiese und insofern auch "ihr" Revier.

Alfons tut sich nicht leicht mit dem Familienzuwachs, er ist eigentlich ein sehr friedlicher Kater und weicht aus. Peterle hat da ein wesentlich angriffsbereiteres Temperament, Kylie im Grunde auch. Halb ist er beleidigt, halb friedlich, halb depressiv. Halb aggressiv, damit sinds denn also vier halbe, teilt sich besser. Da er eh zurückhaltender ist als Kylie mit ihrem aufdringlichen Siamesencharakter, braucht er mehr Trost als Kylie, die einem auf den Schoß oder die Schulter huckt und sich lautstark beschwert. Alfons hat aber, auch wenn er sich insgesamt mehr in sich zurück gezogen hat, seine Zutraulichkeit zu seinen Menschen bewahrt und kommt auch weiterhin an, um guten Morgen zu sagen, ist dabei, wenn ich meiner Tochter ein Gute-Nacht-Lied singe oder ihr vorlese, und da bekommt er Extra-Schmusen, und Peterle muss dann auch daneben sitzen und sich das angucken, bis er dran ist. Dafür macht Peterle sich dann ungeniert abends in meinem Bett breit und erzählt, wie hungrig er eigentlich immer noch ist und wie gern er einen kleinen Gutenachthappen wie etwa eine 200g-Dose Felix hätte und lässt sich endlos beschmusen, falls er nicht gerade die Füße unter der Decke jagen muss. Nachdem Kylie die letzten Tage weitgehend auf der Heizung im Wohnzimmer hof hielt, zieht sie zunehmend abends wieder ins Schlafzimmer um und schmust mit Alfons demonstrativ auf dem Bett, mal sehen, wann sie sich dort zu dritt zusammen kuscheln. Ich denke, dann bleiben mir wahrscheinlich noch ca. 25 cm², nachdem auch mein Kind wieder entdeckt hat, wie gut es sich in Mutterns Bett schläft... notfalls kann ich ja immer noch ins Kinderzimmer umziehen, wozu haben Kratzbäume denn eigentlich Höhlen und Plattformen und Hängematten??? Damit sich Mensch darinnen zusammenfaltet, während Katze im Doppelbett residiert...



Bevor das Jahr zuende geht, will ich noch kurz über unsere Weihnachtskatzen berichten.

Als wenn sie sich abgesprochen hätten, wurde es über die Feiertage friedlich. Den Tag vor Heiligabend schleckte Peterle erstmalig ohne Ohrfeigen an Alfons' Ohren, am 2. Weihnachtstag lagen beide Kater zusammen auf dem Sessel, Katzeline daneben auf ihrer Heizung. Was für ein trauliches Bild von Ochs, Esel und Zimtzicke.

Inzwischen wurden die Feindseligkeiten in geringerem Umfang wieder aufgenommen, aber es mischt sich spielerischerer Charakter dazwischen. Also weniger Aggression von Peterles Seite wie zu Anfang, sondern mehr Spielaufforderung, worauf Alfons und Kylie aber nicht unbedingt so anspringen. Große Liebe ist da noch nicht. Peterle schleckt eher für das Gutwetter bzw. wenn ich dabei bin, Kylie macht ihren Vorrang am Futternapf bzw. bei anderen Gelegenheiten mit Blicken, nötigenfalls mit Pfote erheben, klar; Alfons duldet. Alfons ist im Augenblick ein großer Dulder, er trägt es wie ein Banner vor sich her. 7 kg Dulden. Inzwischen lässt er sich gelegentlich herab, sich auch wieder beschmusen zu lassen bzw. hat sich einen vorrangigen Platz auf dem Esstisch gesichert, wenn ich den Schlepptop aufbaue, aber oft genug geht er mit diesem speziellen leidenden Blick durch die Gegend von wegen "habe ich nicht schon genug unter der geschwätzigen Ausländerin zu leiden? Schaff mir einer den roten Eindringling vom Hacken". Wenn ich je einen beleidigten Kater gesehen habe, dann diesen! Heute saß er mit sinnender Miene vor dem Wäscheständer, von dem irgendwer - Alfons???? - die Wäsche runtergezuppelt hatte, und philosophierte vor sich hin, wie nur Kater es können. Als ich das Malheur entdeckte, verdrückte er sich auffallend still und beschleunigt, daher denke ich, dass er der Übeltäter war. Alternativ wandert er wie eine verlassene Waise durch die Wohnung auf der Suche nach freundlicher Aufnahme, stumm und leidend, Sie können sich das vorstellen.

Peterle bewegt sich frei und relativ selbstbewusst, er schleckt Alfons, den Leidenden, dann und wann an und tatzt dann - in diesen Fällen denke ich, dass es ihm um Spielen geht, und dann geht oft die Balgerei und Jagerei los. Alfons tut der Sport mehr als gut, er ist leider immer noch zu fett, und wir müssen dringend wieder mit der Diät anfangen nach den fetten Shebatagen. Unterm Strich stehen die Zeichen auf friedliche Koexistenz, und früher oder später werden sie sich auch einig werden, da bin ich doch sehr erleichtert, dass es bisher so gut aussieht. Alfons wird seinen passiven Widerstand schon aufgeben, und Kylie und Peterle werden ihre Fronten auch klären.

Wenn ich die drei so beobachte, als Momentaufnahme, ist Alfons wohl der unabhängigste von ihnen, ich denke, er wird früher doch viel Freigang gehabt haben und muss vielleicht auch nicht zwingend Katzengesellschaft haben wie z. B. Kylie. Er kommt an für seine Schmuseeinheiten, wenn ihm danach ist, und führt ansonsten sein unabhängiges Katerleben. Kylie schläft zwar seit einiger Zeit bevorzugt auf der Heizung, statt sich an Alfons ranzumachen, aber sie interagiert sehr mit ihren Mitkatzen, auch wenn sie distanziert erscheint.
Überall mitmischen, wo was Wichtiges stattfindet, ist ihre Devise. Und natürlich eifersüchtig ihren Menschen behüten, also Erstkatze bleiben, sich dazwischen drängeln. Peterle orientiert sich auch sehr an mir als "Katzenmama", aber ich denke, er wird sich da auch freischwimmen, wenn er seinen Platz in der Katzengesellschaft endgültig gefunden hat. In mir sucht er, habe ich das Gefühl, zuerst die Regel der hiesigen Gesellschaft, und in zweiter Linie den Spielkameraden, den er in unseren anderen Katzen bisher nicht in dem gewünschten Ausmaß hat. Wenn er sich mit Kylie geeinigt hat, werden die beiden schon für ihren Spaß sorgen.

Man merkt sehr, dass Peterle jünger ist als Alfons und Kylie, er spielt ganz anders und geht viel intensiver auf alle Spielangebote ein. Alfons ist ihm im Alter zwar näher mit seinen gut drei Jahren, aber sein Wesen ist viel gesetzter. Sogar Kylie mit ihren sieben Jahren ist da jagdbegeisterter und lässt sich mehr aus der Reserve locken. Vorhin habe ich wieder sehr geschmunzelt: da war Kylies bevorzugtes Sheba auf dem Teller, und Peterle war wieder der erste am Napf. Kylie kam dazu, ein scharfer Siamesenblick, und Peterle machte Platz von wegen braver Sklave. Dafür langte er dann geschickt mit der Pfote zu und angelte sich vom Teller, wonach ihm der Sinn stand. So wird man auch satt. Mit Alfons teilt er sich das Nassfutter redlich, aber an den Leckerli nimmt er immer noch nicht teil, und das Trockenfutter ignoriert er schlichtweg. Peterle findet hier eine Menge zum Spielen: am Wochenende beim Bettenbeziehen hat er die Schmutzwäsche so ausgiebig bejagt, als hätten wir da drin 10 Mäusenester. Insofern kann ich natürlich auch nicht ausschließen, dass er der Wäschevomständer-Zieher war. Und gestern die alten Socken: das war ihm eine Wonne, als er die jagen durfte, er hat sie mindestens fünfmal totgebissen. Auch der Rascheltunnel ist für ihn ein immerwährendes Vergnügen, wo er für Alfons und Kylie in erster Linie Leckerlisuchplatz ist.

Über die unterschiedlichen Essgewohnheiten kann ich mich schon tüchtig wundern, also dass Peterle Trockenfutter so standhaft ignoriert. Er hat es in der großen Not gefressen, als er kam und sehr hungrig war, aber sonst lässt er es wirklich total liegen. Kylie und Alfons dagegen schätzen es sehr, auch wenn sie bestimmtes Nassfutter lieber mögen. Nicht mal die Katzentabs, die Alfons und Kylie über alles lieben, reizen ihn, damit spielt er nur. Peterle wird sich noch umgucken, wenn wir vom fetten Sheba wieder weitgehend Abstand nehmen von wegen Diät...

Die beiden Katzenklos amüsieren mich auch. Nix von wegen ein Klo für Peterle und das andere wie bisher für Kylie und Alfons - ein Klo ist fürs Pinkeln, das andere fürs große Geschäft, aber bei allen dreien unisono.

Nochmal Futter: Peterle hat sich schnell den Ansprüchen der anderen angepasst. Alle miteinander lieben die kleinen Portionen mehr als die Büchsen. Wahrscheinlich, weil die kleinen Portionen kleiner geschnetzelt sind, denke ich. Trotzdem wird es wie früher Wechsel zwischen Büchse und Portion geben, denn irgendwo möchte ich auch nicht mehr verarmen als notwendig. Anspruchsvolle Tierchen, diese ehem. Tierheimbewohner...

Sie sehen, es wird immer langweiliger und alltäglicher bei uns, ein gutes Zeichen, was Peterle angeht. Dass Peterle sich so gut bei uns einlebt, so leicht, erleichtert mich sehr und so wandern meine Gedanken allmählich wieder zu seinem Vorleben. Peterle, unser kleiner Nikolaus-Kater, muss ja in die schlechte Haltung gekommen sein, nachdem das TH die anderen Katzen im Oktober 2002 schon abgeholt hatte. Genauso wie es mir unbegreiflich ist, wie man so einen tollen Kater wie Alfons einfach in den Ferien aussetzen kann oder eine abgehalfterte Zuchtkatze wie Kylie mit Vergiftung im TH abliefern, kann ich nachvollziehen, wie man sich, wenn man mit so vielen Tieren überfordert war, wieder eine ganze Menagerie mit drei Katzen usw. zulegen kann. Für uns war es ja schon eine lange Überlegung mit der dritten Katze ohne andere Haustiere, und ich merke da auch die Grenzen in Bezug auf die Zeit, die ich für sie haben kann. Wie kann man sich, wenn man seine bisherigen Tiere notgedrungen ins Tierheim gegeben hat, kurze Zeit später schon wieder so viele Tiere zulegen? Peterle muss ja als Kitten oder wenigstens Jungkater zu diesen Menschen gekommen sein, und vom Himmel gefallen sind die drei Katzen bestimmt nicht! Das erinnert mich an eine Nachricht, die vor gut einem halben Jahr auf der Homepage vom TH Berlin stand: eine gerichtsbekannte Frau sammelte wieder Katzenbabies, die sie entweder in angemieteten Wohnungen unterbrachte und nicht versorgte oder sogar in Schließfächer im Bahnhof sperrte. Tiere sammeln wie Kaufrausch oder sowas, so kommt mir das vor mit Peterles gewesenen Besitzern. Insofern ist er da gut rausgekommen, ohne ersichtliche seelische Schäden.
Alfons war wesentlich tiefer geschädigt, ist es wohl auch jetzt noch ein Stück, bei Kylie kann man es nur ahnen anhand der Angst vor dem Tierarzt usw., was sie durchgestanden haben muss. Auch mit dem blinden Auge gibt es keine Probleme mehr; zu Anfang hatte Peterle sich beim Schmusen immer dahin gedreht, wo er die Streichelhand im Blickfeld haben konnte und mit dem Ohr wird es nur das Milbenproblem geben, also dass er öfter deswegen kontrolliert werden muss.
Tiere sammeln. Mir ist das ein absoluter Horror, wenn ich mir vorstelle, wie man verantwortlich ist für so eine Menagerie, wie diese Leute sie gehabt haben müssen, ohne dass ich die Ressourcen hätte: Geld, Zeit, Geduld - alles, was für Tiere wichtig ist. Ich denke, das wird letztlich auch im Tierheim eine Rolle spielen, der Mangel an allem und die ewige finanzielle Ungewissheit, aber zum einen sind da eh andere Voraussetzungen (mehr Richtung "vorübergehend verwahren", so traurig sich das ja anhört), zum anderen kann es immer nur Notbehelf sein gegenüber Schlimmerem. Und es ist immer das Engagement und die Anteilnahme da, anders als z. B. bei Susi auf ihrem Sterbe-Sofa. Und genauso treibt mich die Aussetzen-Situation um, Tiere vor dem Urlaub einfach wegwerfen. Man kann ja froh sein, wenn sie wenigstens vorm Tierheimzaun angebunden werden.
Wie freuen wir uns über unseren Dicken, der so ein richtiges eigenwilliges Katertier wird, und über unsere unbrauchbare Zuchtkatze mit ihrem Hofzeremoniell! Kylie findet nachdrücklich, dass ich schon lange zuviel sinniert habe, und klettert immer wieder auf die Tastatur - es wird Zeit, das Jahr zu beenden.

Einen hab ich aber noch: Von Kylie ist ja bekannt, dass sie eine Diebin war, sie hat sogar den Mülleimer ausgeräumt, als es Hähnchen gab, eine komplette Haut verschlungen. Peterle ist also auch unter die Diebe gegangen, als ich neulich wieder Brathähnchen mitbrachte. Die Stücken, die ich geschnitten hatte, ohne Knochen, ohne Haut usw., gingen rein in die Katzenmägen, und er hatte Drang auf mehr. Also stahl er einen Hühnerflügel, der noch am Skelett hing, das wiederum noch auf dem Herd stand für die letzte Runde Katzenfutter. Ich erwischte ihn auf dem Parkett im Wohnzimmer, entwand ihm die Beute und stellte ihm die Falle, die Kylie schon kennt: Das Skelett blieb also auf dem Herd und duftete weiter, obwohl ja alles abgenagt war, und umrum flächendeckend Alufolie. Natürlich sprang Peterle wieder auf den (kalten) Herd, es raschelte, und wupp! war er kuriert und flüchtete mit Bürstenschwanz ins Kinderzimmer. Volltreffer! Die beiden Dummkater jagen sich wieder mit dem üblichem "rauraurau", weiß der Geier, was sie nu wieder haben.


Ich habe "Katze bei Krause" sträflich vernachlässigt die vergangenen Tage; es hat sich aber auch wenig Ereignisreiches zugetragen. Kater prügelt Kater, Kater schleckt Kater, Kater liegt neben Kater, Kater prügelt Kater.... Die Klo-Ordnung hat sich verfestigt, genauso mag Peterle immer noch nicht Trockenfutter (nicht mal die Leckerli wirklich, der kleine Kostverächter), und alle drei finden es gar nicht toll, dass sie auf Diät sind. Das Light-Trockenfutter im Napf ist eben was anderes als das begehrte Leckerli, und auch mit Kylies Sensible-Futter gemischt schmeckt es als alltägliches weniger schön denn als Leckerli. Wenn es nur nicht so kompliziert wäre, Kylie an anderes Futter zu gewöhnen!
Peterle futtert immer noch wie ein Scheunendrescher, wenn es Nassfutterzeit ist. Dafür hat Alfons beschlossen, dass er Hähnchen nicht mehr mag. Kylie hat damit keine Probleme, und Alfons tut es ja gut, Diät zu halten, aber es macht mir etwas Sorgen, dass er so oft so demonstrativ den Kopf wegdreht, wenn Peterle wieder als erster da gewesen ist. Nun, Alfons hat ja tüchtig zuzusetzen.

Bei Peterle haben wir noch eine schmunzelnswerte Eigenschaft entdeckt: Herr Kater guckt Fernsehen. Aber wie! Fast möchte er reinkriechen, und er guckt (noch) wahllos, was immer sein Interesse erregt. Zuerst war es die Tiersendung auf dem MDR, wo es um die Intelligenzleistungen von Hund und Katze im Vergleich ging. Da schnellten auf einmal die Ohren hoch, und Peterle verbrachte die gesamte Sendung vor der Glotze. Dann wieder erregten Männerstimmen sein Interesse, und seitdem guckt er auch bei bestimmtem Tonfall oder was auch immer gern fern. Irgendwie fand er auch das Erdbeben im Irak, also die Nachwehen, interessant, die Sozialreformen hingegen interessierten ihn nicht die Bohne. "Hundkatzmaus" auf Vox liebt er auch heiß und innig, und am vergangenen Wochenende habe ich mich dabei ertappt, wie ich für Peterle schon vorher, während der Reisesendung, die Glotze anmachte. Was immer da kam, Palmen und sowas, fand er auch klasse, und bei den Tieren war dann kein Halten mehr, da kroch er wieder fast rein in die Glotze.
Heute hat er eine große gute Tat damit getan: die Fernsehgeschichte lenkte meine Schwiegermutter ab, als ich ihr am Telefon davon erzählte. Sie hat sich sehr über unseren Racker amüsiert und konnte sogar ein bisschen lachen. Für dieses Lachen möchte ich mich beim Tierheim bedanken, dass Sie und Ihre Kollegen Peterle gerettet und zu uns gebracht haben!!

Peterle hat auch ein neues Spielzeug gefunden: ich hatte vor einiger Zeit so richtig plüschige Hauslatschen käuflich erworben und mir eigentlich vorgestellt, dass sie meine Füße wärmen sollten. Nichts dergleichen, sie gehören Peterle und sind seine heilige Schlafzimmerbeute. Er bejagt sie mit einer Wonne, dass ich mich riesig amüsieren kann, denn die Latschen haben das stattliche Maß von Erwachsenenhausschuhen.

Und nun komme ich richtig ins Grinsen: Peterle hat seinen derzeitigen Stammplatz, wo Alfons früher im Wohnzimmer zu hausen pflegte, auf einem Sitzkissen mitten im Zimmer, strategisch günstig. Alfons ist dafür auf den Esstisch umgezogen, und Peterle hauste bis dato unangefochten auf diesem Platze. Eben kam nun Kylie, die niemandem Ruhe lassen kann, zu Peterle und drängelte. Peterle schleckte sie ab, und wupp! ging es ihm wie Alfons, hatte Kylie sich den Platz erobert, lag in der Mitte, und Peterle schleckte stehend und wusste nicht, wie er dazu gekommen war. Nun hat er sich im Korbsessel eingerollt.

Alle drei sind gesund und munter, Alfons hatte die Tage etwas Malessen mit der Verdauung und war daher zurückhaltender mit dem Essen. - Und schwupp! sitzt Kylie im Korbsessel und lässt sich abschlecken, Alfons liegt wie ein breites schwarzes Brot auf dem Esstisch und tut, als ob ihn das nichts angeht, Peterle schleckt wie ein Weltmeister, Kylie dehnt ihre 3 qcm aus, Peterle schleckt, Kylie dehnt - ich gebe ihm noch ca. 3 Minuten, bis der Sessel ihr gehört. Das ist ihre Siamesen-Taktik. Nicht "teile und herrsche", sondern "dehne und herrsche". - Na, jedenfalls tut es unserem Dicken gut, wenn er weiter abspeckt. --- Nun gibt“s Prügel, Peterle hatte die Nase voll von Siamesenaufdringlichkeiten und hat zugeschnappt. Kylie hat Ohrfeigen verteilt, und nach 15 Sekunden hatten wir gerade einen unzufrieden murrenden Kater auf der Erde und eine zufriedene Zicke auf dem Sessel. Das Schwarzbrot hat sich aufgesetzt und beäugt den Mitkater voller Häme von oben, Motto "was soll es dir besser gehen als mir..."

Was für ein hinterlistiges kleines Biest sie ist: da hockt sie klagend und schmollend vor dem Katzenteller, egal was für Futter drauf ist, beschnuppert es 25 mal, geht dann wieder weg, weint bitterlich, wenn die Herren Kater beigehen und es aufessen, nippt dann am Trockenfutter und drängelt so lange, bis sie jede Mitkatze von ihrem friedlich ausgesuchten Platze erfolgreich vertrieben hat. Nicht dass sie nicht ihr Lieblingsfutter kriegen würde, da reicht für Peterle ein scharfer Siamesenblick oder auch eine erhobene Pfote, aber bloß keine Ruhe geben, wenn einer sich ein gemütliches Plätzchen gesucht hat und ihr das nicht passt. Und sie geht ja im Winter auch nicht raus auf dem Balkon, aber wenn ich ihn abends aufmache, drängelt sie beide Kater beiseite, sie muss zuerst schnuppern.
Diese kleine Episode eben ist wieder einmal ein Zeichen, wie sie sich aneinander reiben und gewöhnen, und in Bezug auf Kylie ist das Vertreiben nach dem Abschlecken lassen mit Sicherheit (so komisch es klingt) ein gutes Zeichen, denn vorher war Peterle schlicht "unter ihrer Würde".



Januar 2004

Gesundheitlich ist alles in Ordnung, Alfons schniefte über den Winter etwas, aber keine der beiden "alten" Katzen hat sich Peterles Bronchitis eingehandelt.

Nach einer etwas ruhigeren Phase mit viel Schlecken und allerlei Spielen (auch Kampfspiele) geht es inzwischen wieder ziemlich rund. Peterle und Alfons prügeln sich täglich mit großer Ausdauer und ziemlich heftig und böse. Kylie und Peterle bekriegen sich mehr in Richtung Spielen, habe ich das Gefühl, also man tatzt sich, verteilt Ohrfeigen, jagt sich durch die Gegend und ist dann wieder friedlich. Zwischendurch ruht man gemeinsam auf den diversen Katzenkissen und Plüsch und Seide, mault sich an oder schleckt gemeinsam das Futter bzw. die Katzenmilch auf.

Mit Alfons ist in letzter Zeit allerdings eine Veränderung vorgegangen. Zuerst war er nur eher zurück gezogen, inzwischen pinkelt er. Mit Leidenschaft. Auf den Läufer vor dem Gäste-WC, auf mein Bett, in die Badewanne. Er schleicht durch die Gegend wie das personifizierte schlechte Gewissen deswegen. Den Läufer habe ich erst mal durch eine billige Badematte ersetzt, die auch mit Leidenschaft bepinkelt wird, die Wanne zwischenzeitlich mit Wasser gefüllt gehabt, das Bettzeug komplett abgezogen und in die Maschine gesteckt (Alfons nahm bis auf weiteres Abstand vom Bett, als ich ihn in flagranti erwischte und die Blumenspritze in Aktion setzte.

Es gilt nun herauszufinden, was mit Alfons los ist. Eigentlich wird ja von Protestpinkeln geredet, aber das mit dem Protest dürfte wohl auch ein Stück Vermenschlichung der Katze sein, die insofern nicht angebracht ist. Also Reviermarkierungsbedürftigkeit oder Angst bzw. Ablehnung, aufs Katzenklo zu gehen. Nun haben wir die Katzenklos mit der Streu umgestellt vor einiger Zeit, von Klumpstreu auf Holzpellets. Das könnte ein Grund sein. Oder eben auch die verstärkten und ernsthafteren, bösartigeren Prügeleien zwischen den beiden Katern. Alfons bleibt immer noch eher in seinem selbst gewählten Exil auf dem Kleiderschrank, kommt eher abends dann zum Leckerlifassen und verschwindet dann wieder. Was also macht den Katzen so Angst, dass sie ihr Verhalten geändert haben?
Alfons und Kylie kommen auch nicht mehr an, um mich an der Tür zu empfangen, wenn ich nach Hause komme... es muss also etwas gegeben haben. Peterle ist der einzige, der relativ unbeeindruckt rumläuft und überall seine Nase reinsteckt. Er passt sich seinerseits der "Oberkatze" Mensch aber auch gut an und "hört". Z. B. dass er Kylie nicht das Essen stehlen soll, gerade eben bei der Leckerlirunde. Hat Peterle den beiden anderen nu eins so auf die Nase gegeben, dass sie Abstand halten? Kylie und Peterle schlafen nachts in meinem Bett aneinandergekuschelt, Alfons schläft auf dem Kratzbaum oder sonst meist einzeln. Mal kuschelt sich Kylie auch an ihn, aber Peterles lebhafte Art liegt ihrem Siamesencharakter insgesamt wohl mehr als Alfons betuliche EKH-Ader. Ich werde bei Alfons mal ausprobieren, ob ich ihn mit Bachblüten aufbauen kann, vielleicht hilft ihm das für sein Selbstbewusstsein. Obwohl ich sagen muss, dass er sich heftig wehrt und Peterle auch oft genug in die Schranken weist. Peterle muss wirklich mit allen vieren auf ihm landen, um ihn auf den Boden zu bringen, solche Sprünge habe ich bei Katzen noch nicht gesehen! Aber er ist wild entschlossen, sich mit Alfons auseinander zu setzen, und ich hoffe, dass es nicht doch noch richtig böses Blut gibt und sie sich gegenseitig verletzen.

Peterle ist jetzt schon fast ein Vierteljahr bei uns, wenn ich es recht bedenke, und ich kann ihn mir nicht mehr weg denken. Unsere Entscheidung war richtig! Er hat inzwischen gelernt, nicht im Mülleimer zu wühlen, meine Extremitäten nicht als Beute zu betrachten, Futterreste übrig zu lassen und die Spielmäuse nicht mehr unter dem Teppich zu begraben. Es gibt immer noch vieles, was er sich den anderen Katzen oder mir abgucken muss, aber er ist ein lernbegieriger und enorm liebenswerter Kater und wird auch lernen, dass er nicht auf jedem Platz zuerst sein muss, um etwas abzukriegen, und dass man nicht andauernd prügeln muss, um sich zu behaupten. Alfons ist da schon der Leidtragende, aber ich denke, das kriegen wir auch in den Griff. Kylie ist hingegen voll in ihrem Element, sie hat einen Spielkameraden gefunden, auch wenn Pack sich schlägt und verträgt, und mit der Zeit werden die drei schon ein richtig gutes Team werden.



März 2004

Ich habe jetzt wieder einige Zeit ins Land ziehen lassen und möchte Peterles Tagebuch noch etwas fortsetzen:

Die Katzenbande hat es sehr begrüßt, dass es allmählich wärmer wird. Morgens ist der erste Routinegang zur Balkontür, dort hocken und warten, dass die Tür aufgemacht wird. Es hat sich bewährt, Alfons und Peterle beim morgendlichen Fressen zu trennen. Alfons bekommt seine Schüssel auf den Balkon, die Tür wird angelehnt, Peterle kriegt seins wie üblich in der Küche. Alfons kommt eh meist rein, wenn er die Sauce aufgeschleckt hat, und findet die Reste in der Küche dann spannend, während Peterle auf den Balkon wandert und dort das "fremde" Futter goutiert.

Man prügelt sich auch weiterhin mit Wonne (bzw. Verbissenheit), wenn etwas des Prügelns wert erscheint, ansonsten pflegt man der Ruhe, des Schleckens usw. Vor einigen Tagen hatten wir wieder harte Auseinandersetzungen um irgendwas, was mir verborgen blieb, aber zwischendurch sind immer wieder Ruhephasen, abgesehen von den üblichen "5 Minuten", wenn die wilde Jagd die Katzenrennstrecke rauf und runter geht.

Peterle wird zusehends leckerer, er mault mich inzwischen immer wieder an, gerade wegen des Dosenfutters, das allgemein weniger beliebt ist als die Beutel (oder gar Sheba). Trockenfutter ignoriert er immer noch, der kleine Dummbold, aber er hat die Katzensticks vom Aldi entdeckt. Alle drei lecken sich alle 10 Krallen danach. Ist immerhin besser für Peterles Zähne als ewig das Nassfutter. So wechseln wir also bei der abendlichen Leckerlirunde Trockenfutter, Katzenmilch und Katzensticks ab.

Peterle wetzt seine Krallen brav an den diversen katzengeeigneten Gegenständen, besonders gern auch an Alfons“ Artefakt, dem umgestalteten Rattansessel. Der sieht inzwischen so aus, als ob er gleich zusammen bricht, aber die Katzen lieben ihn um so mehr zum Krallenwetzen.

Von Alfons hatte ich berichtet, dass er ein Pinkelkater geworden ist. Ich denke, inzwischen habe ich eine Erklärung dafür, aber erstmal will ich es noch einmal kurz rekapitulieren. Alfons fing an zu pinkeln, einige Zeit, nachdem ich von der Ton-Klumpstreu sukkzessive auf die Holzpelletsstreu umgestellt hatte, erst das eine Klo, das sie gut angenommen hatten, dann auch das große. Aus heutiger Sicht denke ich, dass ihn auch die Farbe verwirrt haben könnte: die Holzstreu und der Läufer ähneln sich dort. Einmal setzte er ja auch Kot dort ab. Dann pinkelte er in das Doppelbett, wo ich ihn erwischte und gleich verjagte. Und zur Verdeutlichung einige Zeit eine Futterschüssel auf die Pinkelstelle stellte. Das Bett war seitdem abgegessen, ist nicht wieder vorgekommen, und es waren auch nur einige .
Dann pinkelte Alfons ca. 1mal die Woche in die Badewanne. Genau auf den Ausguss.
Das Pinkeln (Vorleger, Wanne) habe ich nun weitgehend ignoriert, also nur saubergemacht ohne Kommentar, und Alfons immer einige Extra-Schmuserei gewidmet, wenn er allein am Schlafzimmerfenster Wache hält. Wenn Peterle dazu kommt, muss er warten, bis er dran ist. Er wird aber demonstrativ auch bedacht, nur eben nach Alfons und weniger. Mit der neuen Streu glaube ich im Nachhinein, dass es von meiner Seite her auch dazu beigetragen hat. Die zerfällt ja durch die Nässe in "Staub", also irgendwie wie Sägemehl. Es ist - jedenfalls für mich - schwieriger zu riechen, wann es in Bezug auf den Urin zu viel ist. Man sieht es, im Gegensatz zu den Klumpen von der Tonstreu, weniger gut, eigentlich nur durch das zunehmende Volumen. Die Köttel räume ich ja eh immer aus, daran liegt es also nicht. Meine Erklärung wäre also: Alfons hat es insofern auch gestunken, so dass er auf die Badewanne ausgewichen ist.

Alfons hat jetzt seit gut einer Woche nirgends mehr anders hingepinkelt als ins Katzenklo, und ich vermute, dass beides, also vermehrte Aufmerksamkeit und das häufigere Wechseln der kompletten Streu dazu beigetragen hat, dass er wieder "sauber" ist.

Wir haben drei gute Katzen erwischt: Peterle und Kylie hatten eh keine größeren Probleme mit der neuen Streu, und Alfons hat es nun - hoffentlich - auch bewältigt.

Alfons ist ja sehr geduldig, sozial und lieb, so dass er immer auch ein Stück Gefahr läuft, dass er gegenüber den anderen beiden zu kurz kommt (deswegen haben wir ja auch so lange mit Peterle überlegt, und es ist tüchtig zu tun mit drei Katzen!!!), aber Peterle ist bei uns einfach nur unkompliziert. Sein Drang, überall zuerst zu sein und ja nichts zu verpassen, lässt inzwischen nach, und dass er nun auch rummault und lecker wird, Futter liegen lässt und sich heftig beschwert, ist klasse!

Wir müssen demnächst wieder zum Tierarzt; zum einen steht Alfons“ Impfung an, zum anderen zeigen sich bei Peterle wieder Ohrmilben, die die anderen beiden nicht zwingend erben sollen. Das ist das Doofe an seiner beschädigten Ohrmuschel: er kann sie nicht so säubern, dass es die Ohrmilben total ausrottet. Wir müssen mal schauen, ob man da noch was anderes tun kann.

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